Urban System Solutions

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Hand Point Right

Angle Right

5˚C

UHI

SEA

Manifest







Die moderne Stadt ist die größte Thermomasse, die je von Menschenhand geschaffen wurde. Ihr Beton, Stahl und Asphalt absorbieren und speichern Solarenergie in gewaltigem Ausmaß. In den sich rasch verdichtenden Metropolen des Globalen Südens wirken Bauwerke nicht als thermische Barrieren, sondern als massive Oberflächenradiatoren, die unsere urbanen Zentren in unbewohnbare Mikroklimata verwandeln. Wir stecken in einer Sackgasse: Wir verbrauchen Millionen Megawatt, um Innenräume mechanisch herunterzukühlen, während Klimaanlagen immense Abwärme zurück auf die Straßen pumpen. Die natürliche Fähigkeit der Stadt zu atmen und zu lüften, wurde weitestgehend eingeschränkt. Die Umgebungsluft ist schlicht nicht mehr in der Lage, diese zusätzliche Hitzeeinwirkung aufzunehmen und zu regulieren.


Das Ziel ist es, die tote, Ressourcen aufsaugende Masse der gebauten Umwelt in ein lebendiges, urbanes Ökosystem zu transformieren. Wir sind überzeugt, dass jedes Gebäude, jedes Dach und jede Fassade zu einem aktiven Teilnehmer des städtischen Mikroklimas werden muss. Indem wir schweres, traditionelles Ziegelmauerwerk durch neuere Materialien wie AAC ersetzen und die Kühlleistung von Vegetation nutzen – bewässert durch dezentrales, geschlossenes Abwasserrecycling –, schaffen wir eine neue Logik des Bauens. Wir lassen die Natur die Arbeit tun, die Klimaanlagen nicht dauerhaft leisten können: die Stadt von außen nach innen zu kühlen.


Da die Oberflächentemperaturen auf konventionellen tropischen Dächern regelmäßig 60 Grad Celsius übersteigen, ist das Warten auf neue Bauvorschriften ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können. Was bereits gebaut ist, muss jetzt analysiert und transformiert werden. Hier werden Hochhausstrukturen neu gedacht: nicht als statische Blöcke, sondern als metabolische Organismen – als Kohlenstoffsenken, Wasserkreisläufe und die „Mutterbäume“ des tropischen Betondschungels.


Diese Arbeit basiert auf 25 Jahren praktischer Erfahrung und Beobachtung. Sie spannt den Bogen von der Präzision des Steinmetzen bis hin zu fortschrittlicher wissenschaftlicher Forschung über Hochhausthermodynamik in Vietnam.


Die Systemarchitekturen sind keine konzeptionellen Träume; sie basieren auf empirischen Daten, sind für die Kreislaufwirtschaft konstruiert und haben ihre Widerstandsfähigkeit in Taifunen unter Beweis gestellt. Ein lebenswertes, kühles und widerstandsfähiges urbanes Umfeld für die Stadtbewohner zu sichern, ist die entscheidende Herausforderung für die Zukunft des Globalen Südens.

Vision


Es geht um den Menschen, das Gebäude und die Anpassung an das Klima. Wärmebildanalyse, fortschrittliche Vegetationssysteme und Materialökologie bilden das Herzstück von GOASIS – denn was man nicht messen kann, kann man auch nicht transformieren. Unsere Städte müssen resilient werden. Mehr denn je.


Von der Analyse nackter Fassadentemperaturen über 50 °C bis hin zum gezielten Einsatz vertikaler Verschattungen, die eine sofortige Abkühlung um ein Delta -11 °C bewirken: Jede einzelne von uns entwickelte Intervention beginnt mit einem empirischen Nachweis.


Wir arbeiten nach einem selbsttragenden Innovationsmodell: Die Einnahmen aus unserer spezialisierten Beratung, unseren R&D-Partnerschaften und skalierbaren Systemlösungen werden direkt in die kontinuierliche Feldforschung und Prototypenentwicklung reinvestiert. Angetrieben von tiefer Überzeugung und Eigeninitiative treiben wir die Integration intelligenter Gebäudehüllen, hochdichter Vegetationssysteme und geschlossener Wasserkreisläufe permanent voran.


Das oberste Ziel von GOASIS ist es, skalierbare urbane Systemarchitekturen und Lösungen zu entwickeln, die direkt auf die hochverdichteten Quartiere, komplexen Hochhäuser und expandierenden Megastädte des Globalen Südens zugeschnitten sind.


Echte Resilienz verlässt sich nicht auf schwere, importierte Technologien. Sie erfordert eine lokalisierte Umsetzung: lokale Materialien, einheimische Pflanzen, regionales Wissen und eine niederschwellige, hocheffiziente Technologie, die so konzipiert ist, dass sie überall dort repliziert werden kann, wo die Hitze es erfordert.



Mission


GOASIS entwickelt fortschrittliche, klimaresiliente Systemlösungen für dichte urbane Räume in Südostasien (SEA) – mit einem aktiven Hauptsitz und Testgelände in Vietnam. Wir arbeiten in drei Leistungsbereichen:


Diagnostizieren: Wir nutzen thermografische Bildgebung, um das städtische Gefüge zu überwachen und die verborgenen thermischen Schwachstellen des bestehenden Gebäudebestands sichtbar und messbar zu machen. Was als massiver Oberflächenradiator wirkt, muss thermodynamisch verstanden werden, bevor es transformiert werden kann.


Transformieren: Wir greifen in den strategisch frühen Phasen der Entwurfsentwicklung ein, um konventionelle Architektur in hochperformane, begrünte Ökosysteme umzuwandeln. Durch regenerative Materialentscheidungen wie AAC Masssteine, optimierte Gebäudehüllen und Miyawaki-Aufforstungen ersetzen wir unnötiges Gewicht durch thermodynamische Leistung. Wir verwandeln glühende Betonhüllen in selbstregulierende Kohlenstoff- und Hitzesenken.


Zirkulieren: In technischer Kooperation mit WILO Germany implementieren wir dezentrale, geschlossene Wasserinfrastrukturen auf Gebäudeebene. Durch die Erfassung und Aufbereitung von Grauwasser direkt vor Ort mittels spezialisierter Membranfiltration (MBR) nutzen wir jeden einzelnen Tropfen, um die Bewässerung der vertikalen und horizontalen Vegetation zu automatisieren. Kein Abfall, keine Überlastung der Infrastruktur – jeder Tropfen bleibt im Kreislauf.


Unser Ansatz wurzelt in der Überzeugung, dass Resilienz kein optionales Merkmal ist, über das man diskutieren kann – sie ist die fundamentale Basis. Architektur muss so konstruiert sein, dass sie verheerenden Taifunen standhält, Kohlenstoff absorbiert, ihre unmittelbare Nachbarschaft aktiv kühlt und dem langfristigen Wohlbefinden der Menschen im Inneren dient.



Facts I

Stadtlandschaften & Oberflächen


Die rechts und unten gezeigten Thermalbilder, aufgenommen in den dicht bebauten Stadtlandschaften von Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt und Da Nang, offenbaren eine harte Realität: Durchschnittliche Oberflächentemperaturen schießen regelmäßig über 65 °C hinaus. Dieses massive, stagnierende „Wärmekissen" hält unsere Stadtviertel zwischen Straßenniveau und einer Höhe von etwa 30 Metern gefangen. Die Hauptverursacher dieser extremen Umweltbelastung sind Wellblechdächer und ungedämmte, dunkle horizontale Oberflächen.


Anzumerken ist:

Im gesamten Globalen Süden und insbesondere im äquatorialen Gürtel zwischen den Breitengraden 30° Nord und 20° Süd dominieren Wellbleche in Rot, Grün, Grau und Blau als Material für provisorische Dächer und urbane Begrenzungen. In diesen hochgesättigten Farben wirkt das Material wie ein massiver solarer Schwamm, der extreme Mengen an Strahlung absorbiert und direkt in die Stadtlandschaft zurückstrahlt — als primärer Emittent des Urbanen Hitzeinseleffekts (UHI).


Blau wird insbesondere im kulturellen Kontext von Feng Shui häufig als kühle Farbe interpretiert und als Oberflächenfarbe auf Kindergärten, Schulen und Fabriken angewendet. Die Thermodynamik beweist jedoch das genaue Gegenteil: Blaue Oberflächen absorbieren mit die höchsten Mengen an Solarstrahlung und erzeugen Spitzenwerte bei den Oberflächentemperaturen. Was kulturell als kühlend wahrgenommen wird, ist im Kontext der Bauphysik ein gravierender thermischer Treiber. Arrow Right Long

 

Ein ähnliches Phänomen bestimmt das Verhalten dunkler Dachterrassen und Asphaltinfrastruktur. Aufgrund ihrer Ausrichtung sind diese horizontalen Flächen über den Tag der längsten Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Sie wirken als massive thermische Batterien, die Energie speichern, um sie in der Nacht kontinuierlich wieder abzugeben. Da die nächtliche Umgebungsluft jedoch bereits thermisch gesättigt ist, bleibt diese Energie im urbanen Raum gefangen.


Erschwerend kommt hinzu, dass Kunstrasen zum bevorzugten Material für moderne Spielplätze, Balkone und Dachterrassen geworden ist. Hergestellt aus grünen und schwarzen synthetischen Polymeren, erhitzt sich dieser künstliche Bodenbelag exponentiell, bietet keinerlei Transpirationskühlung und trägt erheblich zu lokalisiertem mikroklimatischem Hitzestress und Umweltbelastung bei.


Abschließend muss auf einen weiteren bedeutenden Hitzeemittenten in Städten hingewiesen werden, der als anthropogene Abwärme eine wesentliche Rolle bei der urbanen Überhitzung spielt: die Klimaanlage. Klimaanlagen gehören zur Standardausstattung jedes Gebäudes. Ein Betrieb ohne sie scheint undenkbar — ihre Nutzung so gedankenlos und allgegenwärtig wie das Betätigen eines Lichtschalters. Doch auch hier gilt dasselbe Prinzip: Die von den Klimageräten abgegebene Restwärme kann von der Umgebungsluft kaum noch aufgenommen werden.


All dies zusammen führt zu thermischer Stauung — den oben beschriebenen urbanen Hitzeinseln. In Verbindung mit extremer Bebauungsdichte, einem deutlichen Mangel an strategischen Ventilations-korridoren und einem gravierenden Defizit an grüner Infrastruktur verlieren unsere Städte grundsätzlich ihre natürliche Fähigkeit zu atmen. Ohne sofortige thermische Intervention wird ein weitreichender urbaner Exodus für Millionen von Bewohnern zum unvermeidlichen nächsten Schritt.

Gelb - Kunstrasen im Garten

Rot - Kunstrasen im Spielplatz

07/08/2024 - 12:30

AC Fassade - 07/08/2024 - 16:45

Facts II

Gebäudehülle


Die Abbildungen auf der rechten Seite veranschaulichen das aktuelle Paradigma von Hochhäusern und Gebäudetypologien in Vietnam sowie eine projizierte Zukunft, in der thermische Parameter vollständig integriert werden und die Gebäudehülle als primärer Schutzschild für das Bauwerk und seine Bewohner verstanden wird. Die Gebäudehülle muss als der größte und komplexeste Flächenorganismus eines Gebäudes begriffen werden. Sie besitzt das latente Potential, weit mehr zu leisten als nur das Innere vor den äußeren Elementen zu trennen und zu schützen: Sie kann Hitze reflektieren, strukturelle Verschattung bieten, Transpirationskühlung erzeugen, die Luft reinigen und vertikale Biovielfalt in der urbanen Landschaft fördern. Erst durch diese systemische Synergie gewinnt das Hochhaus urbane Qualität und wandelt sich von einer Klimabelastung zu einer vertikalen CO-Senke.

Das übergeordnete Ziel ist eine radikale Abkehr von vertikalen Radiatoren hin zu lebenden, vertikalen Kühlrippen, vergleichbar als architektonische Äquivalente zu einem Hochleistungs-CPU-Kühler. Durch individuelles Clustern und Anpassen dieses architektonischen Systems vertikaler Strukturen entstehen neue horizontale Vegetationszonen, erhöhte Parks und Erholungsflächen. Darüber hinaus ermöglichen diese strukturellen Einschnitte Windkorridore, die in die Gebäudemasse eindringen und die konvektive Durchlüftung sowohl des Bauwerks als auch seiner unmittelbaren Nachbarschaft drastisch verbessern.


Das Anheben der Sockelzone des Gebäudes über Straßenniveau bietet mehrere entscheidende Vorteile:


01 | Reduzierung der Baukosten: Der Wegfall tiefer Baugruben und unterirdischer Parkstrukturen senkt die Gründungskosten erheblich und vereinfacht die MEP/HVAC-Infrastruktur.

02 | Klimaresilienz: In Vietnam manifestiert sich der Klimawandel unmittelbar durch Meeresspiegelanstieg (SLR), Grundwasserabsenkung, Bodenversalzung und urbane Hochwasserereignisse. Das Anheben des Sockels umgeht diese Verwundbarkeiten vollständig und eliminiert Folgekosten für Gerätereparatur, Wartung und Fahrzeugschäden.

03 | Psychologischer Komfort: Für viele Bewohner bleibt das Hinabsteigen in dunkle Tiefgaragen eine deutliche psychologische Hürde — ein menschlicher Faktor, der in der standardisierten Stadtplanung allzu häufig ignoriert wird.

04 | Mikroklimatische Kühlung: Das Anheben der Basis erweitert die nutzbare Fläche für vertikale biophile Fassaden, die aktiv Kühlung in das umgebende Mikroklima einspeisen.

05 | Optimierte Wartung: Technisches Equipment, das in diese angehobenen Sockelzonen verlegt wird, kann zu einem Bruchteil der Kosten und mit deutlich reduzierter Ausfallzeit gewartet werden.

06 | Thermodynamische hydraulische Verteilung: Moderne Pumpensysteme können Nutzwasser direkt durch das Gebäude verteilen — ausgehend von den verschatteten, natürlich kühleren Räumen innerhalb des angehobenen Sockels.

07 | Aktive Dachisolierung: Die entstehenden Dachflächen werden frei für die Nutzung als intensive Vegetationszonen, die als massiver, „dicker" thermischer Isolator gegen Solarstrahlung wirken.

08 | Schutz des Immobilienwerts: Die Umsetzung dieser Maßnahmen sichert unmittelbar den langfristigen Wert der Immobilie. Ohne sie droht Vermögenswerten — insbesondere solchen mit konventionellen Glasfassaden — innerhalb der nächsten fünf Jahre eine extreme Entwertung durch explodierende Betriebskosten oder aufgrund der Überhitzung die Unbenutzbarkeit.


Ein kritischer, jedoch häufig übersehener Faktor bei der thermischen Leistungsfähigkeit ist die Materialzusammensetzung und handwerkliche Verarbeitung vor Ort. Der traditionelle Wandaufbau in Vietnam basiert auf lokal hergestellten gebrannten Tonziegeln, die typischerweise zwei bis sechs Perforierungen, als Löcher, aufweisen. Maurer verlegen diese Ziegel mit vor Ort angemischtem Mörtel aus Sand, Wasser und Zement. Aufgrund der hohen Maßungenauigkeiten der Ziegel werden sie im Dickbettverfahren mit einer durchschnittlichen Fugenstärke von 20 bis 25 mm verlegt. Das Ergebnis ist ein extrem schweres, konstruktiv ineffizientes Wandsystem. Um die Oberflächenunebenheiten und Übergänge zu den Betondecken zu kaschieren, müssen Außenputzschichten von 20 bis 30 mm aufgetragen werden.


Hinzu kommt, dass Ziegel an den Übergängen zu den Betondecken diagonal eingeklemmt werden, um zeitaufwendiges Zuschneiden zu vermeiden. Es wird offensichtlich, dass eine solche Wand nicht mehr als grundlegenden Wetterschutz bietet; sie besitzt keinerlei thermische Fähigkeiten oder thermodynamische Vorteile. Der Faktor Verarbeitungszeit einschließlich Trocknungszeit wird häufig nicht berücksichtigt. Im Gegensatz dazu sind z. B. Porenbetonsteine (AAC — Autoclaved Aerated Concrete) in Präzisionsstärken von 100 und 200 mm erhältlich. AAC ist ein maßgenauer, hochstabiler Baustoff mit einer hundertjährigen Erfolgsgeschichte. Er wird im Dünnbettverfahren mit einer maximalen Klebefuge von lediglich 3 mm verarbeitet, wodurch die thermische Schwachstelle der Fuge auf ein Minimum reduziert wird. Die Vorteile dieses Wandsystems sind unbestreitbar: Massive Gewichtsreduzierung des gesamten Wandsystems. Überlegene thermische Isolierung und verbesserte akustische Leistung. Beschleunigte Baugeschwindigkeit (z. B. benötigt 1 m² einer 200-mm-Wand lediglich 30 Minuten Montagezeit einschließlich Trocknung).

Diese Bauweise ist eine Trockenbaumethode; das Klebstoffgemisch wird als vorgemischte Trockenware auf die Baustelle geliefert. Durch den deutlich geringeren Wasserbedarf gegenüber konventionellem Mauerwerk werden Feuchteeintrag und Bauschutt drastisch reduziert. AAC-Steine lassen sich präzise zuschneiden und schließen bündig an die Betondecken an, was die bestmögliche thermische Abdichtung gewährleistet. Die Übergänge sind flächenbündig, wodurch die erforderliche Putzstärke auf lediglich 5 mm reduziert werden kann.


• Fazit:
Durchschnittliche Wandtemperatur über 32 Grad Celsius je nach Jahreszeit. Ohne eine adäquate Gebäudehülle — ob einschalig oder zweischalig mit vorgesetztem Fassadensystem (insbesondere bei Hochhäusern) — können keine Verbesserungen erzielt werden, und die Betriebskosten werden massiv steigen. Angesichts des prognostizierten regionalen Temperaturanstiegs in Städten von bis zu 5 Grad Celsius wird das Versäumnis, die Gebäudehaut zu transformieren, drastische Betriebskosten auslösen — einhergehend mit dem Verlust an Wohnkomfort und einer rapiden Entwertung der Immobilie.



Ziegelwand

AAC Wand

Wall 

Sections

Test - Konstruktionszeit

Up Right From Square

Facts III

Vegetation & Synergie 


Die Natur ist die ultimative Meisterin der Anpassung. Warum also die Gebäudehülle nicht als einen lebenden Schutzmantel begreifen — ein vertikales und horizontales Ökosystem, konzipiert zur Hitzeminderung?

Dieser Ansatz überträgt die Aufforstungsmethode des japanischen Botanikers Akira Miyawaki — ursprünglich entwickelt zur Wiederherstellung degradierter urbaner Flächen — und adaptiert sie für die Hochhausarchitektur. Er nutzt einen mehrschichtigen Substrataufbau, der beschleunigtes Pflanzenwachstum unterstützt.

In unseren Untersuchungen haben wir gemessen, dass die lokale Palmenart (Cau Lua Vang) über einen Meter pro Jahr wächst und dabei rasch ein dichtes, schützendes Blätterdach und Wurzelsystem entwickelt. Die Miyawaki-Methode kombiniert vielfältige, einheimische Arten, um ökologische Resilienz und Biodiversität zu maximieren. Da die Pflanzen natürlich miteinander konkurrieren und sich gegenseitig stützen, bilden sie eine natürliche Waldstruktur. Dieses tiefe, konstruierte Substratpaket wirkt als natürlicher Schwamm gegen tropische Starkregen und schafft gleichzeitig einen wichtigen Lebensraum für die lokale Tierwelt.

Am bedeutsamsten ist, dass das schnell wachsende Blätterdach direkte Sonnenstrahlung blockiert und wichtige Verschattungseffekte erzeugt. Die thermischen Darstellungen auf der rechten Seite belegen die Leistungsfähigkeit dieses vegetativen Schutzschilds: Messungen zeigen eine Temperaturreduktion von bis zu 50 % auf horizontalen Vegetationsflächen. Vertikal begrünte Fassaden können ein Delta von minus 12 °C erreichen. Dies stellt eine signifikante Verschiebung in der Gebäudethermodynamik dar.

Für die Hochhausarchitektur ist dieses System äußerst praxistauglich, wenn es als zweite, integrierte Außenfassade umgesetzt wird — unter Verwendung struktureller Pflanzgefäße, hängender Begrünung und Kletterpflanzen, die ein lebendes Geflecht bilden. Durch die Herstellung eines Abstands von x = 800 mm (oder mehr) zur äußeren Gebäudewand fungiert diese Zone als begehbarer Balkon. Thermodynamisch dient dieser Zwischenraum als thermische Pufferzone, ein Schutzschild, der die primäre Außenwand vor extremer Hitzebelastung isoliert. Technisch ermöglicht diese Konfiguration einen sicheren Wartungszugang und bietet den Bewohnern funktionale Erholungsräume.

Darüber hinaus entsteht ein entscheidender Synergieeffekt innerhalb der Gebäudesysteme: Die HVAC-Lüftungsinfrastruktur kann Zuluft direkt aus dieser verschatteten, pflanzengefilterten Pufferzone beziehen. Da diese Luft durch die Vegetation natürlich vorgekühlt wird, sinkt der Energieverbrauch der Kühlgeräte. Es entsteht ein wertschöpfender Ökosystem-Kreislauf, der in der konventionellen Architektur vollständig fehlt. Derzeit funktionieren Glasfassaden-Hochhäuser in Südostasien häufig wie Backöfen. Ihre Umhüllung mit einer lebenden vegetativen Hülle ermöglicht es dem Glas, seine Qualität als transparentes Gestaltungselement zurückzugewinnen — das Innenraumerlebnis wird verbessert und die Abhängigkeit von Innenvorhängen oder künstlichen Jalousien reduziert.




Randnotiz:

Die Architektur kann viel von den Mikrosynergien der Natur lernen. Während unserer Feldforschung beobachteten wir ein bemerkenswertes bionisches Phänomen zwischen lokalen Palmen (Cau Lua Vang) und Ameisenkolonien:

Die Palme absorbiert aktiv Regenwasser und nutzt ihren Stamm als passiven Kühlschacht. Die Ameisen nutzen diesen thermodynamischen Vorteil und bauen ihre Nester gezielt in dieser gekühlten Zone des Stammes, um ihren Nachwuchs vor der tropischen Hitze zu schützen.

Dies stellt ein aktives, wechselseitig vorteilhaftes Ökosystem dar — und ein direktes Beispiel dafür, wie Architektur von biologischen Strukturen lernen kann, um die Gebäudehülle zu optimieren.

Vertikale Cluster für Hochhäuser

ΔT = -27,9 °C
04/08/2024

ΔT = -20,7 °C
10/08/2024

ΔT = -30 °C
10/04/2026

Pflanzen - Ameisen Symbiose

WILO - Abionik MBR Wasserfilteranlage

Facts IV

Kreislaufwirtschaft Wasser  


In Vietnam liegt der Pro-Kopf-Wasserverbrauch bei etwa 130 Litern pro Tag — mit steigender Tendenz. Derzeit werden städtische Grünflächen größtenteils mit kommunalem Wasser oder entnommenem Grundwasser bewässert. Während Hotels und Resorts gesetzlich verpflichtet sind, ihr Abwasser vor der Einleitung aufzubereiten, unterliegen Hochhäuser und urbane Gebiete bislang nicht denselben strengen Vorgaben. Diese regulatorische Lücke birgt ein immenses Optimierungspotential.

Angesichts der zuvor genannten sich verändernden Klimaparameter — wie Meeresspiegelanstieg (SLR), Grundwasserabsenkung und Bodenversalzung — bieten dezentrale Membranfiltrationsanlagen (MBR) eine tragfähige Lösung. Durch die Aufbereitung von Abwasser direkt vor Ort kann dieses auf einen Standard gereinigt werden, der sowohl die Toilettenspülung innerhalb des Gebäudes sicher versorgt als auch die Bewässerung der Vegetation auf und um das Gebäude ermöglicht. Dieser Ansatz fördert eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen, integriert sich direkt in eine Kreislaufwirtschaft und senkt letztlich die operativen Betriebskosten.

Messungen, die mit der oben dargestellten Doppelkammeranlage durchgeführt wurden, zeigen, dass bis zu 90 % des Gebäudeabwassers erfolgreich aufbereitet werden können. Das gewonnene Filtrat wurde zur Bewässerung der Dach- und Fassadenvegetation zweimal täglich für bis zu 3 Minuten eingesetzt (variiert von Projekt zu Projekt). Darüber hinaus wurde überschüssiges Wasser aus diesem Kreislauf für die tägliche Bodenreinigung innerhalb des Gebäudes umgeleitet.

Hochhausentwicklungen mit 500 oder mehr Wohneinheiten erzeugen routinemäßig mehr Abwasser, als für die eigenen internen Bewässerungskreisläufe benötigt wird. Dieses überschüssige aufbereitete Wasser könnte in die öffentliche Infrastruktur eingespeist werden, um nahegelegene städtische Grünflächen zu versorgen. Selbst die Aktivierung fragmentierter Flächen — wie dicht befahrene Kreuzungen oder stark frequentierte Zonen — durch Vegetation hilft, den urbanen Raum zu kühlen, und schafft essenzielle Lebensräume für die lokale Fauna.


Facts V

Paradigmenwechsel 


Ein Perspektivwechsel tritt unweigerlich unter extremen Bedingungen ein.

Ein Anstieg der thermischen Belastung um 5 °C in unseren Städten und Megastädten stellt einen kritischen Stressfaktor dar — sowohl für den menschlichen Wohnkomfort und das thermische Wohlbefinden im Freien als auch für das Gebäude als langfristigen Immobilienwert.


Angle Right

Innerhalb dieses Paradigmenwechsels werden konventionelle Gebäudetypologien von vollverglasten Hüllen hin zu integrierten, vegetativen Fassaden übergehen, die auf die solare Ausrichtung abgestimmt sind. Begrünung wird strategisch auf der Außenhaut in Ost-, Süd- und Westausrichtung eingesetzt, während die Nordfassade je nach spezifischer Ausrichtung des Standorts und der Struktur teilweise begrünt wird.

Vegetation kann sowohl auf der äußeren Gebäudehaut implementiert werden — als hochleistungsfähige Doppelfassade — als auch direkt im Gebäudekern integriert werden, als vertikaler vegetativer Schacht, der Treppenhäuser, Erschließungswege und Aufzugskerne umgibt bzw. umgeben wird.

Das Anheben der Struktur über das Geländeniveau schafft eine funktionale Sockelzone für Parkflächen, technische Infrastruktur und Einzelhandelsflächen. Diese Konfiguration ermöglicht nicht nur die Integration von natürlichem Tageslicht, sondern auch eine kontinuierliche passive Luftzirkulation, insbesondere in den Parkbereichen. Die direkte Anbindung dieses Sockels an den vertikalen vegetativen Schacht initiiert den notwendigen thermischen Auftrieb, der es dem grünen Kern ermöglicht, als aktiver, natürlicher Kamin zu fungieren, der den Luftstrom durch das gesamte Gebäudevolumen antreibt.


Diese interne vertikale Vegetation bietet deutliche thermodynamische Verbesserungen. Über die Einführung von gefiltertem Tageslicht in die tiefe Gebäudemasse hinaus erzeugt sie einen vertikalen Luftstrom, angetrieben durch den natürlichen Kamineffekt, der den Gebäudekern aktiv kühlt.


Mechanische Lüftungssysteme, die auf eine Schnittstelle mit diesen pflanzengefilterten internen Zonen ausgelegt sind, beziehen kühlere, frischere Zuluft. Folglich arbeiten sie mit deutlich geringerem Energieverbrauch im Vergleich zu konventioneller HVAC-Infrastruktur. Das zugrundeliegende ingenieurtechnische Rahmenwerk konzentriert sich auf Abfallminimierung, strukturelle Ressourcenschonung und die Etablierung echter Kreislaufwirtschaft auf Gebäudeebene.


Beispielhafte Morphologien und Konzeptlösungen werden hier in Kürze vorgestellt.

Lösungen & Projekte


In den vergangenen 12 Jahren in Vietnam war GOASIS intensiv in den Bereichen Möbeldesign, Innenarchitektur und Innenausbau, Architektur, städtebauliche Masterplanung, Hochschulbildung und wissenschaftliche Forschung zu den Einflussfaktoren urbaner Gebiete und Hochhäuser tätig — mit besonderem Fokus auf vegetative Variablen. Unser aktueller Schwerpunkt liegt auf technischen Dienstleistungen zur Fehleranalyse und ingenieurtechnischen Lösungen für kritische ökologische, resilienzbezogene und strukturelle Situationen.

Als lokal ansässiger Partner in Vietnam bietet GOASIS strategische Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung (F&E) an. Dies umfasst Konzepte für grüne Hochhäuser, klimaresiliente Stadtgebietsentwicklung, sozialen Wohnungsbau sowie innovatives Bauen mit regenerativen Materialien (z. B. Reishülsen, Kokosfaser, Lehm) mittels 3D-Drucktechnologien. Diese Technologie bietet einen tragfähigen Weg zur Senkung von Baukosten und Optimierung der Effizienz in ländlichen und sich entwickelnden Gebieten. Gemeinsam können wir es schaffen.

Wir freuen uns über Ihre Fragen, Projektanfragen und einen konstruktiven fachlichen Austausch. 



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